Zeitfenster der Veranstaltung (1)

Großes Zelt
-
Thomas Ebermann
Seit einiger Zeit beschäftigt sich ein Kollektiv, dem ich angehöre, mit dieser historisch-politischen Untersuchung. Der Berg ist hoch, das Material erdrückend - und so werde ich nur Unfertiges skizzieren können. Ab Frühjahr 2027 wollen wir einige Vorträge zu Zeitabschnitten bzw. Themenkomplexen halten und, wenn das gelingt, ab 2028 mit Bühnenprogramm in bekannter Besetzung touren. Streifen werde ich u.a.: die in die Welt kommende Hoffnung auf Überwindung schicksalhafter Kriege durch Aufklärung und z.b.Kant Marx und Engels (und Proudon) sind keine Kriegsgegner sondern bellizistische „Einzelfallprüfer“ mit oft skurrilen tagespolitischen Positionierungen. Die Kriegsgegner vor 1914 (an Zahl viel geringer als Rosa Luxemburg glaubte) pflegten,in Revolutionserwartung, zugleich eine (unangemessen schroffe?) Polemik gegen den Pazifismus. Ebenfalls bemerkenswert, wie schroff sich Karl Liebknecht von Deserteuren, Rebellen und anarchistischer Position zum Wehrstreik im Kriegsfall distanziert. Die Anarchisten haben eine Minderheit, die auch gefallen an Vaterlandsverteidigung hatte, ihr berühmtester Repräsentant damals, Kropotkin, plädierte mit einer Gruppe für anarchistische Unterstützung der zaristischen Russland. Die schleichende Romantisierung des Krieges,der soldatischen Tugend, der Todesverachtung nimmt auch unter Bolschewiki ihren Lauf. Es beginnt mit der Liquidierung von Deserteuren in Trotzkis Roter Armee und setzt sich später fort mit der Ästhetisierung von Waffen und zu Maschinen verdinglichten Soldaten auf Paraden. Zur Kritik linken Bellizismus hat Simone Weil Beachtenswertes, Beeindruckendes geschrieben. Zugleich steht sie (temporär) für ein Milieu,das den Schwur von 1918  - nie wieder für die eigene Bourgeoisie ins Feuer gehen - nicht außer Kraft setzten mag, als der Nationalsozialismus, diese Singularität, dies erfordert. sie schämt sich später dieses Fehlers. Nach 1945 reflektieren die klügsten Intellektuellen die qualitativ neue historisch Situation durch die Atombombe (Günter Anders) während Mao sie zum Papiertiger verharmlost. Und nach 45 entsteht die Bewegung gegen Deutschlands Wiederbewaffnung, mit ihren verdienstvollen aber auch deutschnationalen Facetten. Ähnliches lässt sich über die Friedensbewegung der achtziger Jahre sagen. Uns interessiert die Kritik radikaler Linker, aber auch die vom ca-ira-verlag und Pohrts an ihr. Die grossen Spaltungen der Radikalen Linken vollziehen sich 1990 am Kuwait-Krieg und in diesem Kontext den (Gas-) Bomben auf Israel. Streitgespräche und Podiumsdiskussionen jener Zeit sind (bei aller Unzulänglichkeit gerade auch meiner Polemik gegen Gremliza, Bruhn etc) von Intensität und Qualität, an der es heute mangelt. Die Debatten finden Fortsetzung, in veränderter Konstellation, aus Anlass der Kriege in Afghanistan und erneut im Irak. Hier bilden sich die Lager aus,die bis heute bestehen: Prinzipielle Pro-Westler, die Hitler schamlos pluralisieren und jeden Krieg des Westens als alliiertes Verhindern der Barbarei abfeiern - und Deutschland , das man früher mal zu schädigen beschlossen hatte, nun zum Guten zählt und aufgerüstet wie zeitengewendet sehen will. Dagegen der klassische Antiimperialismus, der, als wären die Ayatollahs so ähnlich wie Ho Chi Minh, den reaktionärsten Erscheinungen des „Südens“ die Treue halten. Diese sehen in Israel, im Zionismus alle Übel der Welt konzentriert. Das sind Mühlsteine, zwischen denen wenig und nicht sehr bequemer Platz ist. Trotzdem gehören wir dorthin, schon um nicht dumm zu werden, so gut es geht.
iNge9aig